Portativ

„Das PORTATIV“ –  Ein Instrument  der Engel

Wer jemals ein Portativ im Konzert erlebt hat, dem werden die vielen Abbildungen und Darstellungen dieses Instrumentes in unseren Kirchen auffallen.  Ob im Kölner Dom, im Augsburger Dom, in der Nikolaikirche zu Stralsund, in der Nikolaikirche zu Wismar, in der Wunderblutkirche Bad Wilsnack oder in der Dorfkirche auf der Insel Poel – überall findet man Engel, die auf einem Portativ musizieren.

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Das Portativ (v. lat.  portare „tragen“) ist eine kleine, mit Lippenpfeifen ausgestattete Orgel. Einige Jahrhunderte lang war das Portativ eines der meistgespieltesten Instrumente Europas. Nach 1650 geriet es in Vergessenheit, da die Entwicklung des Orgelbaus immer größere Instrumente hervorbrachte. Obwohl es viel kleiner als eine Orgel ist, füllt es mit flötenähnlichem Ton mühelos auch große Räume.

Der Spieler (Portatifer) bedient die Klaviatur mit der rechten Hand und betätigt  gleichzeitig mit der linken den Blasebalg.  
Kleinere Instrumente haben einen Tonumfang von 8 Tönen und eigneten sich besonders gut, Gesänge auf Prozessionen musikalisch zu begleiten. Der Spieler trug dazu das Instrument an einem Riemen über seiner Schulter. Portative wurden ebenfalls zur Unterstützung des gregorianischen Choralgesanges genutzt.  Bis zu seiner Blütezeit im 13. Jahrhundert erweiterte sich der Tonumfang auf bis zu 32 Tasten. Auch in der weltlichen Musik der Spielleute fand das Portativ häufig Verwendung.

Wir stellen das Portativ als Solo- und Begleitinstrument  mit weltlichen und geistlichen Werken der bekanntesten Komponisten des Mittelalters, der Renaissance und des Frühbarock vor. Auf Abbildungen der Heiligen Cäcilie, sieht man sie manchmal zweihändig ein Portativ spielen, ein Engel bedient dann den Blasebalg. Auch diese Spielweise wird von uns vorgeführt, nur ohne Flügel …

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Das Ensemble TreCantus musiziert mit einem Nachbau der Firma Wälti (Bern) von 1992. Originalinstrumente sind nicht mehr erhalten.